• Stradivari - Seelenklang

    Eine leise, kleine Melodie
    schlummerte im Herzen.
    Sie war lieber stumm, schwebte in Tagträumen
    einer Zauberwelt -
    scheute das Licht,
    ätherisch, unsichtbar,
    voller Leidenschaft und Lebensfreude.

    Eine leise, kleine Melodie
    fand dich, fand sich,
    erst leise, zaghaft -
    fand ihre Farben, fand ihren Takt.
    Pure Freude am eigenen Klang.
    Wir sangen immer mehr
    von Stolz, Würde -
    entdeckten den Tanz, die Hingabe,
    den Genuss, den Schalk,
    den Schwung und die Kraft.

    Eine wunderschöne, feine Melodie
    schwingt in unseren Herzen.
    Sie singt von Freundschaft von Einklang, vom Sein.

    Sie singt von Lust an Bewegung,
    am Leben, am Moment.
    Immer wieder neu,
    immer wieder spannend,
    immer wieder Glück.

    Eine leise, kleine Melodie
    war lange stumm.
    Du hast ihren Klang geweckt,
    die einstige Zauberwelt sank ins Leben.



    Der Kreis schließt sich
    in mir
    mit dir.
    Ein größeres Geschenk
    gibt es nicht.

    23.08.2017

     


Aus Respekt

Die Leichtigkeit des Seins - das drückt dieses Bild meines Traumtänzers für mich aus. Und genau diese Magie des Federns und Schwebens beflügelt uns, lässt mich mittanzen, wenn er seinen Stolz zeigen und schöne Bewegungen lernen möchte.

 

Oft werde ich gefragt, warum ich ihn denn nicht reite. Das hat mehrere Gründe, und ich habe das Gefühl, was mich betrifft, kommen da immer mehr Gründe hinzu im Laufe der Zeit.

1. Ursprünglich war für mich gen 60 die Erfahrung, dass ich auch bei einem "kleinen Sturz" schnell in Gefahr gerate. Meine Knochen machen das nicht mehr ohne Weiteres mit und mein Rücken hat auch ernsthafte Schwachtellen, die einen Sturz risikoreich werden lassen - ärztlich wurde mir abgeraten, dieses Risiko einzugehen. Aus dieser Verunsicherung resultierte dann eine Ängstlichkeit, die für mich den Genuss des Reitens auch sehr in Frage stellte.

2. Ich hatte schon lange eine echte Leidenschaft für "Bodenarbeit", vor allem die freieren Formen - und die klassische Ausbildung. Insofern war es nicht so schwierig, den Sattel einfach mal abzulegen.

3. Immer mehr auf Augenhöhe veränderte mich meine Beziehung zu Stradi, zu Pferden überhaupt . Und ich merkte schon am Boden, dass er eine Leichtigkeit und Eleganz zu entfalten begann, die er mit mir im Sattel nicht erreichen könnte. Warum? Schlicht und einfach, weil ich mich schon lange zu schwer fand für die Art des Reitens, die ich innerlich fühlte. Und altersbedingt zu behäbig dabei. Das hat für mich ganz viel mit Respekt zu tun...uns beiden gegenüber. Bilder mit mir im Sattel fand ich plump und unpassend - und eindeutig, dass er dabei an Glanz erheblich verlor. Früher hätte ich etwas von "Gewichtsträger" gesagt oder von meinem geschmeidigen Sitz. Aber das passt nicht mehr - wenn frau mehr als ein sportliches Herrengewicht von 8okg zu bieten hat, schau ich nicht mehr gerne hin inzwischen. Zumal unser Weg zeigt, dass ein Pferd auch ohne Reiten voll bemuskelt sein und ausgebildet werden kann - und die gemeinsame Freude in keiner Weise leiden muss, im Gegenteil. Sollte die Belastung durch Übergewicht mein Pferd gesundheitlich beeinträchtigen, könnte ich mir das nicht verzeihen.

4. Mit der Zeit hat sich der Respekt auf Weiteres ausgewirkt: Einflussnahme am Kopf über Kappzaum, Kopfstück, Gebiss...wir nutzen das ab und an - wenn es ihm hilft mich zu verstehen. Aber wenn er es verstanden hat, warum dann weiterhin? Dann zeigt er das viel lieber ohne "Takelage", dann longieren wir lieber mit einer lockeren Schlinge um den Hals  - oder eben am liebsten ohne alles.

5. Je weniger am Pferd, desto klarer die Antworten für mich. Das hilft mir ungemein, an meinen mentalen Hilfen zu feilen...meine inneren Bilder zu differenzieren oder mit der Energie genauer zu justieren. Und immer, wenn er weggeht, gibt er mir die Sicherheit, dass er ENTSCHEIDET, mit mir zu sein. Gerade bei versammelnden Bewegungen kann er so die Dosis wählen, die ihn nicht müder werden lässt.

6. Und letztlich...als Ergebnis von den letzten 3 Jahren: Was für eine Freude ist es, wirklich auf Augenhöhe zu kommunizieren und meinem Pferd die Chance zu geben, zu schweben, zu himmeln und sich selbst zu entdecken. Was wir da für uns entdeckt haben, können wir noch tun, wenn ich alt und klapprig bin. Und im Wald sind wir mit dem  Radl unterwegs oder langzügeln elegant durch die Heide.

7. Wenn ich jünger und leichter wäre, würde ich vielleicht ab und an Stradi fragen, ob wir dies oder das auch reitend mal versuchen - ich bin immer gerne geritten. Aber so wie es ist, hat mir der Abscheid vom Reiten einfach nur zauberhafte Türen geöffnet und den Tanz ins Glück eröffnet.

8. "Nutzen" tun wir unsere Pferde alle...und sei es zu unserem Vergnügen oder emotionaler Verbundeheit. Das akzeptiere ich auch, denn ich bin die Verantwortung eingegangen, meinen Pferden neben passender Haltung auch Aufgaben zu geben, die ihr domestiziertes Leben bereichern und ihr Wohlsein körperlich und seelisch fördern. Das Fahren könnte sicher auch ein feiner Weg des Miteinanders sein - allerdings passt das nicht zu uns. Das Gefühl von Freundschaft ist so groß geworden inzwischen, dass es ein Miteinander sucht, das so frei wie möglich ist.

 

All das ist UNSER Weg - und es gibt sicherlich zahlreiche andere wunderbare Möglichkeiten eines respektvollen und liebevollen Umgangs auf Augenhöhe mit unseren wunderbaren Pferden.

 

 

 

 


Seelenwelten

 

 

Ich glaube – und nur das ist für mich real – dass alles, was ist, aus Energie besteht. Nichts ist davon beweisbar und nichts muss stimmen. Aber für mich erlebt es sich so.

 

Alles besteht aus ein – und derselben Energie und findet für die Zeit des Irdendaseins eine Form. Die Urform dieser Energie ist Liebe – und dahin führt auch alles wieder zurück.

 

Diese Energie fühlen wir als Energiefelder – konkret als Stimmungen, Gefühle und Lebenslust/ Verbundenheit. Wenn wir mit einem Wesen besonders verbunden sind, gibt es diese himmlischen Momente, wo sich die Energiefelder vereinigen. Wir sind für sehr kurze Momente „eins“…wir können mit den Sinnen des anderen Wesens fühlen und umgekehrt. Das ist erfüllte Liebe, die für immer etwas in uns ändert. Und das ist eine Schwingung, die im Nachklang in uns bleibt…“ein Teil bleibt vom anderen bei uns“. Das können Gedanken, Erinnerungen sein, aber auch kleine Gesten, Bewegungsmuster, Augenblicke und vieles mehr.

 

Wenn wir „allein“ sind, also „all-eins“, dann können wir diese Verbundenheiten spüren. Ich nenne das für mich immer „Zwischenwelt“. Sie ist nicht greifbar, aber voller Angenommensein und liebevoller Verbindung zu allen, die wir lieben oder liebten.

 

Und sie ist oft die Welt, die uns Geborgenheit gibt, Kreativität und die Sicherheit, dass wir eine „Aufgabe“ leben, die uns erfüllt und weiter führt in das himmlische Energiefeld der puren Liebe. Ob die Wesen, die wir dort spüren, konkret noch leben oder nicht, ist belanglos. Diese Energie, die uns verband, bleibt – für immer und über unser irdisches Leben hinaus.

 

So kann es passieren, dass wir auch in einem Wesen, dem wir neu begegnen, wieder ganz deutliche Erinnerungen erfahren, „als sei ein verstorbenes Wesen wiedergekommen“. Diese Art zu personalisieren mit Name und Körper ist für mich ein menschlicher Behelf, diese Verbindungsenergie zu benennen. Wir sind hier an unseren Körper gebunden und es fällt uns leichter, diese Idee über den Tod hinaus zu denken.

 

Für mich ist es aber weiter, viel weiter und freier, was mit uns geschieht, wenn wir in Verbindung mit einem Wesen waren. Es ist dieses ganz besondere Energiefeld, das uns für immer bleibt – und sich dann auch gerne wieder zeigt durch ein neues Wesen, das uns begegnet. Es ist die tiefe Liebe, die uns beflügelt, uns tief trauern lässt – und uns immer wieder umgibt. Je bewusster und offener wir diese Unendlichkeit der ewigen Wiederkehr erleben, umso reicher fühlen wir – und sind wir auch beschenkt. Denn letztlich sind all unsere Gedanken und Erklärungen ja nur Sternenstaub, der dieses Funkeln der ewigen Verbundenheit zum Leuchten bringt.

 

 

 

 

 

 

 


Kleiner Blick in die equi-humane Beziehungskiste

Meine immer spannendere "Erlebnisreise zum gymmnastizierten und glücklichen Pferd" (Danke Christiane Gittner, Mera Brockhage und Antoinette Hitzinger ) ist in der Tat eine Reise - innerlich wie äußerlich. Sie lässt mich Schätze aus besagter Beziehungskiste heben, die ich zwar erahnte, aber noch nie so richtig fassen konnte. Immer wieder muss ich laut lachen, weil es so unglaublich ist, mich frei und "closed" zu fühlen mit meinem Stradivari - unbeschwert, albern, stolz und frei. Ja, es fühlt sich wirklich frei und unglaublich einfach an. Aber ist es das wirklich?

 

Da taucht sofort die Frage auf: Was heißt denn dieses magische Wort "frei" ? Jenseits der eher "konventionellen Umgangsweise mit Pferden fangen ja nun immer mehr Menschen an, diese Magie der "gelebten Freiheit" zu suchen. Und schließlich steht das Pferd schlechthin als Synonym für diese so schmerzlich vermisste "Freiheit" in unserer selbstzerstörerischen Zivilisation - bei uns noch dazu fast ertrinkend in der Wohlstandsfalle ( sie "stehen sich immer mehr die Beine in den Bauch" - siehe Trageerschöpfung, um nur eins der neuen wuchernden Probleme zu nennen.

Das an sich ist ja schon paradox - da das Pferd historisch gesehen ja eher militärisch und machtbezogen als Freiheitssymbol idealisiert wurde. Die typische Dualität des dualistischen Wertesystems. In der Geschichte der Frau finden sich dazu ja genug Parallelen. Ausbeutung lässt sich hinter einem romantisch verbrämten Vorhang bis hin zu "Heiligkeit" besser "verkraften".

 

Eins ist ja klar: Wir, die wir neue Wege suchen und beschreiten, wenden uns völlig ab von dieser doppelbödigen Tradition und viele sind ja auch sehr engagiert, um auch Pferde fast ohne Überlebenschancen aus diesem Gefängnis zu befreien. Es ist wirklich eine Wende eingetreten, auch wenn dieser kleine Stein erst langsam seine Kreise zieht im Ozean der "Nutzgeschichte" dieser wunderbaren Tiere. Aber diese Kreise sind nicht mehr aufzuhalten, da bin ich mir sicher.

 

Mein Blick in das Beziehungskästchen zwischen Mensch und Pferd geht von meiner Hoffnung aus, dass auch diese Suchenden vielleicht mal kurz hineinschauen wollen? Ich möchte nämlich den Fokus wegnehmen vom Pferd, um das unser Leben ja eh in vielerlei Hinsicht kreist,....und wagen, vielleicht noch ein paar kleine Ideen zu noch mehr eigener innerer Freiheit anschubsen.

 

Seit über 25 Jahren arbeite ich mit 12-16jährigen Wundermenschen (Schülern) zusammen, die mich sehr viel gelehrt haben. Respekt, Vertrauen und Humor sind dabei immer noc die wichtigsten Anker, um in der Kälte unserer gegenwärtigen Gesellschaft zurechtzukommen. Diese jungen Menschen haben eine direkte Ehrlichkeit und bringen auch eine sehr gutes Gefühl gegen !Manipulationen aller Art" mit. Das ist notwendig, weil sie vor der schweren Aufgabe stehen, ihren ganz eigenen Lebensweg zu finden - trotzdem und obwohl ständig vorgefertigte "Prototypen" auf sie einprasseln. Im lebendigen Umgan mit diesen jungen Menschen habe ich vor allem gelernt:

Frage dein Herz und sei einfach da.

Versuche nie, ihnen zu gefallen, sondern sei so gut du kannst du selbst.

 

Und: Schaue so wenig wie möglich auf ihre Vorgeschichte, ihre "seelischen Narben", ....sondern zeige ihnen einfach, wie einzigartig und wichtig sie für dich sind.

 

Und schwups - sind wir auch wieder bei den Pferden. Im Grunde ist es doch sehr einfach, mit dem Pony Momente zu erleben, die uns "das Gefühl von Freiheit" geben. Und gleichzeitig ist es unglaublich schwer. Im Internet finden sich viele Rat - Schläge, die sehr emotianilsiert in Frage stellen, was andere "frei" nennen. Und ich selbst erlebe ja auch, dass dieser Begriff sehr verunsichern kann. Wir wissen doch alle, dass weder wir noch unser Pferd "wirklich frei" sind. Da ist dann ein "Ranking" bei dem ich besser abzuschneiden meine als andere doch verlockend, hihi. Wettbewerb und Neid sind halt menschlich. Das "Trauma" unseres Pferdes in den Vordergrund zu stellen ist außerdem weniger bedrohlich, als die eigene seelische Einsamkeit , unseren tiefen Wunsch nach Einheit mit dem Tier/der Natur zu fühlen und zuzugeben.

 

So kreist auch ich lange um die "Verletzungen", die meine Pferde mitbrachten. Und es erzählt sich auch gut, was sie alles hinter sich haben an übelster bewusster oder unwissender Behandlung. Und dann komme ich als "Retterin" ins Spiel - habe sie aufgefangen, zugehört und ihnen neue Hoffnung gegeben. Und dann haben sie ja so viel Vertrauen entwickelt, dass davon fast nichts mehr zu spüren - eine wahre Erfolgsgeschichte.

 

Andererseits frage ich mich: Warum habe ich das lange Zeit so gerne betont? geht es da nicht eher um meine eigenen Baustellen, die nicht so leicht zu sanieren sind wie die meiner Pferde? Bin ich fair zu meinen Pferden, wenn ich sie über diese "Mängel" vorstelle? Ist jedes kleine  Zeichen von Stress, das ich bei ihnen auslöse, überhaupt zumutbar? Wiederhole ich da nicht Teile des alten Traumas, was sie so unwürdig und schmerzhaft in der Vergangenheit erlebten?

Benutzen wir nicht diesen Blick aus "das Geschöpf mit Vorgeschichte" eher, um von der eigenen innerlichen Not abzulenken. Da lese ich dann, dass Menschen in ihrem Umgang als "unmöglich, nicht artgerecht, oder sogar oh gefährlich" angegriffen werden. Wohl gemerkt - ich gucke nur in das Kästchen derjenigen, die das Beste für ihr Pferd wollen, einschließlich der dafür erworbenen Kompetenz, was Haltung und Umgang betrifft.

 

Das Problem: So lange wir im "Bessersein" hängen bleiben, brauchen wir welche, die es "schlechter" machen. So lange brauchen wir immer welche, die es "schlechter" machen. Und so lange wir mit diesen Rankings im Kopf jonglieren, füttern wir unser Ego und nicht gerade die Beziehung zu unserem Pferd. Diesen Druck, besonders "gut, frei und antitraumatisch" handeln zu sollen, fand ich lange Zeit belastend. Da könnte man ja sagen....pfeif drauf, haha. Aber dann muss ich auch bereit sein, meine eigene großartige Unvollkommenheit mal genauso zu bekuscheln wie meine Fellnasen. Natürlich sind wir Menschleins genauso "gezeichnet" vom Leben und haken mal...oder grollen uns fest.

 

Und unsere Pferde nehmen uns so, wie wir sind - weil sie so sind.

 

Also sollten wir pferdeverrückten Menschen vielleicht etwas lockerer mit UNS werden, damit wir auch für unsere zauberhaften Pferde als das erkannt werden können, was wir sind.

 

Auch wir bringen Macken, Traumata und unschöne Vorgeschichten mit. "Na und?", sagen sie zu uns - und gehen zur Tagesordnung über. Sicher sind wir oft kuriose Körperkläuschen, die um sie herumturnen. Und bestimmt finden sie uns eher spooky, wenn wir sie nach Fehlern, Mängeln, Krankheiten regelrecht absuchen.

 

Meine Schüler haben ihre Lebenswege recht unterschiedlich gefunden - und ihre Vorgeschichte hatte meistens wenig damit zu tun, wie sie die Kunst beherrschen, sie selbst zu werden. Im Gegenteil - wie oft bekam ich wunderbare Rückmeldungen gerade von denen, die einst enorm am schlingern waren.

 

In Pädagogik und Psychologie taucht immer mehr der Begriff "Resilienz" auf - die Fähigkeit zur Belastbarkeit und innerer Stärke. Dies lässt schwere Erfahrungen überwinden und positiv als Erfahrung für das spätere Leben verarbeiten.

 

Pferde sind Meister der Resilienz: sie leben im Jetzt - viel stärker, als wir es je schaffen werden, wir menschlichen Denkäffchen.

 

Und je mehr ich auf diese "Kraft des Moments" vertraue, desto mehr öffnen sich unsere Herzen füreinander und es entsteht ein Vertrauen, das ich mit Sicherheit nicht "erarbeitet" habe - sondern das dann plötzlich als Geschenk aus dem Kästchen purzelt - für den Moment. Ja, es macht süchtig, entzieht sich aber jeden Versuchs des "Wiederholens durch Manipulation", hihi.

 

Vielleicht sollte wir uns also lieber freuen, wenn wir in unserem Beziehungskästchen immer öfter einen kleine Spiegel vorfinden...und dort - igitt- uns kleine fiese Fratzen entgegenglotzen. Sie sind wohl der Goldstaub, der noch freigeküsst werden muss?

 

In DIESEM Sinne sind unsere Pferde (mit welcher Geschichte auch immer) wohl schon längst frei. Und dann können wir mit ihnen immer wieder neu feiern, dass sie uns mit all ihrer Schönheit und Energie zum Tanz auffordern.

 

 

 

 

 

 


Würde – die unberührbare Kraft unserer Pferde

Ich habe gerade die Ehre, die Ikone von einem Traber zu malen. Ein Pferd, das mich zutiefst berührt und mich ganz viel lehrt…über das Leben an sich, und vor allem um das, was mal „war“.

 

Er war früher auf der Rennbahn – und hat laut seiner wundervollen Besitzerin lange gebraucht, um das zu verarbeiten. Als ich das Foto von ihm sah, sah ich ein Glühen, ein Leuchten…und ich musste mich erst einmal darauf einlassen. Und ich sah ganz viel Gold und Schmuck…wie einen Prunkzaum, den er sich wünschte.

 

Ich bin mir sicher, dass das, was dann von ihm kam, nur deshalb so sein kann, weil er eine bedingungslose Liebe erfahren darf in seiner jetzigen Heimat. Als ich es dann wagte, den orangenen Stift in die Hand zu nehmen, bekam ich rote Ohren. Ich fand das so gewagt – und aufregend. Ein Feuerpferd? Diese feinen Muskeln und Konturen, und sein Blick zurück bekam dabei eine symbolische Bedeutung. Es macht immer mehr Freude, seinen Energielinien zu folgen und ihnen Ausdruck zu verleihen. Ich wusste, dass er nicht nur eine „Geschichte“ hatte – ich wusste auch, dass er bis heute körperlich mit den Folgen dieser Zeit zu tun hat, seine Vergangenheit zu spüren bekommt.

 

Und doch blieb ein Wort, ein Gefühl so klar in den Farben und Linien :  STOLZ. Purer, reiner Stolz, dass er ein Rennpferd ist, dass er alles gegeben hat und seine Kraft glühen lassen konnte. Keine Bewertung der Umstände, kein Aber…purer Stolz. Und dahinter eine heilige und kraftvolle Würde, die mich immer noch so durch und durch erfüllt und berührt.

 

Mit meiner sehr weisen und klugen Buckle machte ich heute mit diesem Gefühl im Herzen eine längere Wanderung. Und es wurde mir so klar, dass Pferde diese unberührbare Würde haben. Sicher, wenn sie nie aus ihrem Joch befreit werden, ist die nicht mehr sichtbar und das erschüttert und zu recht. Aber sie ist da – immer. Sie sind nie „Opfer“, das sind sie nur in unseren Augen. Wir Menschen denken in „Geschichte“ und in „Trauma“ und in „Qualen“. Pferde leben im Jetzt – absolut und bedingungslos. Und so wird es für mich vorstellbar, dass gerade auch das Leben in einer schweren, aber prägenden Zeit einen Stolz hervorbringt, den wir nur ehrfürchtig teilen können, wenn wir das Glück haben wie ich gerade beim Malen. Diese Erfahrung ist so voller Kraft und Energie – und so heil – ig.

 

Wir Menschen haben ja auch so unsere „Geschichte“ – und ich könnte auch das Wort „Überlebende“ über meine Kindheit schreiben. Aber ich mochte das nie. JA, es benennt indirekt die Gewalt, die wir unaussprechbar erfahren haben – aber es lässt uns wieder als „Opfer“ zurück. Nein, mein Weg zu den Pferden hat mir viel klarer und deutlicher gezeigt, dass meine innerste Würde unverwundbar bleibt – immer. Und dass ich einen ehrlichen Stolz zeigen darf darüber, dass mein Leben mich auf so viele Umwege leitete, die mich kraftvoll, kreativ und zutiefst dankbar werden ließen – und meine Energie zum Glühen bringen. Lasst uns unsere Pferde feiern und damit unser Leben – jeden Tag wieder. Und lasst uns stolz sein, dass wir sind wie wir sind – jetzt.