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Mein wichtigster Assistent: Die Kamera

Der  „Rosinenblick“ als drittes Auge

 

Mein wichtigster Assistent: Die Kamera

 

 

Nie hätte ich gedacht, dass ich täglich mit meiner Kamera zum Pferd gehen würde, zumal ich nicht einmal ein Smartphone besitze und Technik nur dann nutze, wenn sie mir definitiv sinnvoll dient.

 

Die super kleine Actioncam hatte ich mir mal so aus einer Laune heraus gekauft für 30 €…wäre ja ganz schön, in unserem Blaubeerwald unterwegs ein paar Bilder einzufangen. Ich könnte mich vielleicht hier und da etwas mit anderen austauschen, was ich so mit meinen Pferden erlebe. Hier auf unserm Resthöfle bin ich für mich mit meinen Pferden – und manchmal ist es einfach schön, das zu teilen, was mich so bewegt und diese riesengroße Freude im Miteinander für mich bedeutet.

 

 

 

Dazu kam der Gedanke, dass es für mich ohne Trainerin vor Ort sicher hilfreich wäre, mich im Video mit Stradi zu sehen und daraus zu lernen….ganz in Ruhe und einfach das Gefühl aus der Situation mit dem „objektiven“ Außenblick zu überprüfen. Nachdem ich genau diesen Gedanken natürlich äußerst selbstkritisch als Bewertungswerkzeug meines inneren Kritikers verwendet hatte, wäre mir fast die Lust vergangen. Doch zum Glück konnte ich das überwinden, lernte mit einem Schneideproramm umzugehen und begann, „Rosinen zu picken“…landete also auch mit mir in dem so beflügelnden Land der positiven Verstärkung…und die Reise begann.

 

 

Nun bin ich schon einige Jahre dabei, meine Einheiten mit Stradi als Video zu reflektieren – und es hat sich enorm viel getan, was ich darauf zurückführen kann. Und es gibt immer wieder diese Tage, wo ich überwältigt davon bin, was er mir präsentieren will, wie sehr er sich in seinem Bewegungstanz entfaltet und wie unfassbar fein er auf jedes meiner Zeichen reagiert. So wurde die Kamera mein wichtigster Assistent. Hier die großartigen Möglichkeiten, die sie mir aufzeigt:

 

 

1.     Die Länge jeder Einheit sehe ich zu allererst nach dem Hochladen. Die ist fast immer zwischen 20 und 30 Minuten…genauer geschaut, fühle ich beim Nachspüren noch einmal, ob die Länge passte. Ob ich wirklich im Miteinander unterwegs war oder unnütz beharrt habe auf etwas, was die Leichtigkeit etwas behinderte. Oder habe ich manchmal etwas zu schnell die Energie forciert und uns den Flow damit erschwert? Inzwischen kann ich so grundsätzliche Gedanken im Nachhinein durchaus auch positiv erleben, zum Glück…sie helfen uns ja immer wieder, noch lockerer und feiner miteinander zu werden.

 

 

1.     Dann schaue ich das Video an und erlebe noch einmal  nach, was wir erlebt, wie wir kommuniziert haben. Das fasziniert mich immer wieder, diesen Außenblick einzunehmen. Und ganz oft löst sich ein Unbehagen auf, das natürlich der Kritiker gerne beisteuert…das war doch „nix“ heute oder das „lernen wir nie“ usw…ich lass ihn labern und schaue tiefer, zu dem, was schön und leicht war. Dabei nehme ich auch gerne mal eine slowmo, um besonders schöne Momente zu genießen. Und dann staune ich, wie stolz und begeistert Stradi sich wieder zeigte, wie sehr er seine eigenen Vorschläge gerade im freien Tanz einbringt. Und diese Momente kommen dann in die goldenen 2 Minuten, die ich aufheben möchte, das nenne ich „Rosinen picken“.

 

 

1.     Ganz oft sind es Nuancen meiner Körpersprache, die Stradi absolut passend beantwortet, ich aber nicht bewusst anderes wollte. Das sind diese Momente, wo ich so unglaublich viel draus lerne…und eins hab ich gelernt beim Filmen: die Arbeit an mir ist weit zielführender als alles andere.

 

 

1.     Stradi bekommt durch meinen Außenblick ganz oft Aufmerksamkeit in den Momenten, wo er mir Neues anbieten möchte oder einfach mal Bewährtes ganz anders angehen will…das ist manchmal so zart und höflich gesetzt, dass ich es erst dann wahrnehme und in die nächste Einheit mitnehmen kann…das sind ganz große Rosinen, die sich aber sehr klein zeigen im ersten Moment.

 

 

1.     In letzter Zeit hinzugekommen ist vor allem eine weitere riesige Chance: Onlineanalysen. Ganz ohne Veränderung unseres Zusammenseins kann ich genau die Trainerin bei mir schauen lassen und so noch viel mehr Details entdecken, wie wir Balance und Leichtigkeit weiterentwickeln können. Dadurch, dass ich eh immer filme, ist das besprochene Material dann auch ganz natürlich und unverkrampft.

 

 

1.     Durch das regelmäßige Rosinen picken entstand eine Art Videochronologie unserer gemeinsamen Entwicklung. Das mit anderen zu teilen, machte immer mehr Freude – erst recht, wenn ich im Gegenzug dann auch bei ihnen mit durch das „dritte Auge“ schauen durfte. Ein wunderschön inspirierender Austausch kann sich entwickeln.

 

 

1.     Und letztlich entstand wie von selbst bei all dem Rosinenpicken  immer mehr Zauber im Beobachten und im Bestaunen, wie schön Stadi sich präsentieren mag. Um das und die Stimmung unserer Einheit noch besser nachfühlbar zu machen, suchte ich mir Musik, )die natürlich zum kostenfreien Hochladen zugelassen ist), und so entsteht immer wieder eine kleine Choreografie unserer schönsten Momente.

 

     Nie werde ich den kleinen Tango vergessen, der mir einfach so in den Sinn kam, nachdem Stradi nach seiner schweren Zungenverletzung genesen war...Glück pur:

    

 

 

 

1.     Wenn ich mal einfach einen noch weiteren Blick brauche, um mich zu versammeln innerlich, um wirklich diese große Dankbarkeit u spüren, die mich erfüllt bei allem, was ich mit meinen Pferden erleben darf, schauen ich einfach ein paar Videos in größerem Zeitabstand…unser Videopoesiealbum, das meine Art der positiven Verstärkung für uns ist…ganz für uns, einfach hier auf dem Hof oder im Wald…aber mit ganz viel Resonanz in uns und manchmal auch von außen.