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Pferd und Mensch auf Augenhöhe? -offene Gedanken zu einem herausfordernden Thema-

...und wo bleibt dann die Poesie?

 

 

 

Neue Wege gehen immer mehr Pferdemenschen…und genau das hat mich auch zu diesen wundervollen Trainer/innen und Vorbildern geführt, die mich auf den Weg der Poesie der Pferde führten.

 

Auch ich verwende im Sinne meiner Verbundenheit zu meinen Pferden diese Redewendung : „Ich gehe mit ihnen auf Augenhöhe um.“

 

 

Wenn ich genau schaue, ist das rein von der Größe her nur bedingt möglich, und das finde ich auch gut so. Denn im Grunde ist diese Redewendung schon ein klitzekleiner Ausdruck einer „Vermenschlichung“ unserer Beziehung.

„Augenhöhe“ benutze ich, wenn wir von „flachen Hierarchien“ sprechen…von kollegialem Team usw.. Auch wenn wir Menschen das positiv meinen – so weit wir es nicht als ethischen Schein zur Veschleierung von wirtschaftlicher Ausbeutung nutzen – bleibt die Grundlage dieser Redewendung ein hierarchisch – menschliches Denken.

 

Ich will mich hier nicht weiter um sprachliche Details auslassen…aber dass Pferde unserem menschliche/hierarchischen Denken nicht entsprechen, haben viele genaue Beobachtungen bei noch weitgehend wild lebenden Pferden aufgezeigt – so mein Kenntnisstand.

 

Für mich ist dies eine große Erleichterung gewesen, da ich meine Pferdegeschichte in einem Westernstall begann… und dort sehr stark mit dem Hierarchiedenken über Pferde und auch im Umgang mit ihnen konfrontiert wurde.

Aber zum Glück geht es auch hier letztlich um eine menschliches DENKEN…und dort wie auch in anderen Zusammenhängen erlebte ich immer wieder Pferdeleute, die doch anders und viel differenzierter und kommunikativer handelten als ihre „Theorie“ hergab. Will sagen: Die Theorie ist eben doch nur ein „Bekenntnis“, das Handeln eher aufschlussreich bei genauem Hinsehen und -spüren.

 

Nun zu meinem Versuch, diese gut gemeinte Redewendung etwas mit dem zu füllen, was ich eigentlich meine, wenn ich sie verwende:

 

 

 

1. Haltung:

 

Ich kann meine Pferde artgerecht halten wie ich will…das ist natürlich immer äußerst relativ. Es ist für mich der beste Kompromiss, ihnen als domestizierte und bewegungsbeschränkten Herdenwesen Raum, Futter und Bewegung zu geben, damit sie ein relatives Wohlbefinden entwickeln können. Dazu kommt ein Blick auf ihr Befinden in der Herde – nicht immer ist das stressfrei möglich – und bestmöglicher Abhilfe, wenn es da Probleme gibt. Dazu kommt eine nicht unerhebliche Grenze meiner materiellen und zeitlichen Möglichkeiten, ihnen diesen Lebensraum zu bieten. Hier bin ich klar das verantwortliche und bestimmende Moment…ein wenig Richtung Augenhöhe bin ich unterwegs, wenn ich so gut es geht zuhöre und schaue, wie es meinen Pferden unter den gegebenen Bedingungen geht.

 

2.  Beziehung zum Pferd:

 

Meine innere Grundhaltung ist, dass wir Menschen nicht ohne Grund sehr viel von diesen „social skills“ sprechen, sie in Pädagogik, Erziehung und Gesellschaft zunehmend vermissen und stärken wollen. Im Vergleich zum hochsensiblen Herdentier, das ohne diese selbstverständliche soziale Feinjustierung nicht oder sehr gefährdet existieren kann, muss unsere Spezies eine regelrechte Kultur pflegen und immer wieder aktivieren, um sich im Ansatz in diese Richtung entwickeln zu können. Täglich erleben wir, wie dies kläglich misslingt und unendliche viel Elend und Ungerechtigkeit hervorruft.

 

Weil ich das so sehe, ist meine innere Haltung meinen Pferden gegenüber neugierig, fragend, lern- und wissbegierig. Je mehr es mir gelingt, feste Erwartungsbilder loszulassen, desto mehr kann ich sie „hören“ und meine Kommunikation mit ihnen verfeinern.

 

Was sie mich aber auch gelehrt haben, dass ein fast mystisches „Aufblicken und Schwärmen“ ob ihrer naturgegebenen Sensibilität sie irritiert und Distanz zu mir schafft. „Danke“ sagen bei jeder schönen Reaktion fühlt sich für ebenso unpassend an wie mit Namen bestickte Decken oder Weihnachtsmütze/ Adventkränze um den Hals oder das Sitzen auf ihnen im Liegen. Da hat sicher jede ihre eigene „ethische Grenze“, wo es zu sehr „menschelt“ oder an die Welt erinnert, in der Pferde eher ausschließlich dem Ego Einzelner oder ganzer Volksgruppen dienen/dienten.

Wobei…da sind wir wieder bei der Theorie…mit Sicherheit gibt und gab es in jedem „Lager“ der Reitweisen und der Historie Menschen, die eben nicht oder erst recht still oder ausdrücklich genau dieses „Nutzen fürs Ego“ zu minimieren suchten und suchen.

 

Die Annahme, dass mir Pferde also unglaublich sozial überlegen sind, bleibt für mich eine riesige lebenslange Chance, meine Sinne immer wieder zu schärfen, mein inneres Gefühl immer feiner wahrzunehmen, um ansatzweise einen Hauch ihrer Präsenz und Vielschichtigkeit zu erspüren. Ich glaube, dass sie oft innerlich lachen, wenn ich Körperkläuschen besonders „fein“ mit ihnen sein möchte…und nur ihr so feiner herdenbedingter Großmut lässt mich dabei bestehen…sie spüren offenbar meine zugewandte innere Haltung dabei und geben ihr Bestes für eine Antwort.

 

Das , was für mich „Magie“ ist, scheint mir für sie einfach natürlich zu sein. Wenn sie mich verstehen, öffnet sich die Tür der Synchronität im Innen und Außen..und wir schweben für einen Moment im absoluten Einklang.

 

 

 

Und da ist sie…meine Poesie…ich MUSS einfach einen Ausdruck für dieses feine Zauberland der Verständigung mit ihnen finden…und landete auf dieser Reise automatisch in dieser Art Kunst des Malens, Dichtens, Schreibens. Ich sehe sie als Königspferde, mit denen ich in meiner „goldenen Blase“ tanze…und sie mögen das…auch wenn ihnen diese Art der Versprachlichung oder künstlerischen Gestaltung sicher ziemlich egal ist.

 

Das auseinanderzuhalten, wird mir immer wichtiger – trotz all meines Goldes und himmlischer Gedanken sollen sie ganz einfach Pferd bleiben dürfen…sie brauchen den ganzen Glitter nicht, haha. Aber wenn ich mich auf der Welle der Poesie mit ihnen bewege, verändert das MICH, lässt mich vom Herzen her handeln und weniger „denken“. Wie oben angemerkt…Ich bin die Lernende und Suchende im Miteinander.

 

Da gibt es nur eine Bedingung, die nur „vom Herzen her“ nicht gut geht…an der Weide sitzen und beobachten, fühlen und sein mag erfüllend sein. Für mich ist das aber noch keine Ausschöpfung eines domestizierten Pferdelebens unter kulturell und historisch durch uns Menschen gesetzten Beschränkungen. Eins kann und möchte ich noch hinzufügen.

 

 

 

 3. Ausbildung:

Bewegung ist der Lebensatem aller Pferde – und die beste Haltung ist für mich noch nicht alles. Wir zunächst ahnungslosen Freizeitreiter/innen haben heute die riesengroße Chance, unseren Pferden ein Bewegungsgefühl zu vermitteln, das ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden und oft auch ihre Lebensdauer erheblich steigern kann.

Das höchst komplizierte historische Wissen um gesunde und angemessen Gymnastizierung wird uns unermüdlich und mit so viel Herz und Engagement von tollen und erfahrenen Trainer/innen aller Sparten übersetzt, angeboten und erklärt. Wir haben oft die Qual der Wahl…aus Büchern, Filmen, Kursen, Onlineangeboten das Passende zu finden. Auch da habe ich gelernt, dass es nicht schadet, sich zu orientieren und vielfältig fortzubilden – und dann aber die ganz eigene Ausrichtung immer mehr zu festigen. Die Gefahr der Verwirrung im Pool der Möglichkeiten ist sicher nicht immer leicht zu umschiffen.

Letztlich hilft mir auch da immer mein inneres Gefühl als letzte Instanz. Und notfalls muss dann eben mal ein Kurs verlassen werden, bevor ich Bauchschmerzen bekomme.

 

Das faszinierende Wissen, das ich erlese oder erschaue, muss sich setzen für mich. Nachmachen ohne Einfühlung sieht er komisch aus und wird von meinen Pferden auch entsprechend beantwortet, haha.

 

Also liege ich oft abends im Bett, setze meine 4 Beine „spurig“ oder eben „fehlbelastet“ in den Gangarten auf Zirkel oder gerader Linie auf und erspüre, wie sich das verbessern lässt...mit eben den „Hilfen“ die ich da gesehen habe. So ein bisschen Pferd sein finde ich in dieser Phase der Wissensumsetzung sehr hilfreich.

 

Erst dann gehe ich aufs Pferd zu, zeige meine Ideen und suche jm Dialog, wie es mich verstanden hat…was es dazu intuitiv antwortet. Am besten ist das ohne Zaum…dann werden die Antworten für mich am genauesten. In diesem Sinne ist dann meine „Augenhöhe“ gemeint.

 

Im Gegensatz zu professionellen Ausbilder/innen habe ich keinen „Erfahrungsschatz“ – weder mit den kleinen Teilschritten in der Vermittlung bestimmter Bewegungsabläufe noch in den so verschiedenen Charakteren unterschiedlicher Pferde und deren Reaktionen auf meine Hilfen. Das ist mir bewusst – und ich bin um so offener für JEDE Antwort meiner Pferde. Wenn nicht das dabei herauskommt, was ich meinte, liegt der Fehler bei mir. Deshalb gibt es für mich keinerlei Grund, die Antwort des Pferdes zu bewerten. Meine Körpersprache muss dann halt variiert werden, das ist alles. Oder ich muss lesen, studieren, nachfragen…bis mein Körper weiß, WIE er das vermitteln kann, was ich möchte.

 

 

 

Einen riesigen Vorteil genießen meine Pferde und ich aber…wir brauchen keinen NUTZEN suchen in dem, was wir tun und erleben. Wir müssen weder Geld noch Ruhm, noch bewundernde Zuschauer bedienen. Das ist wieder so eine Tatsache, die ich täglich aufzufrischen versuche…denn ich glaube, dass niemand wirklich frei davon sein kann, das Pferd nicht eben doch als Ego-Schmeichler zu nutzen…mehr oder weniger. Das ist für mich der sensibelste und anspruchsvollste Punkt zum Thema „Augenhöhe“. Ich merke, dass mir am besten tut, wenn ich meine kleinen Eitelkeiten ehrlich zeige…und dann wieder gehen lasse…

 

Denn die Poesie hat in solchen Momenten wenig Glitter und Sternenstaub. Aber auch das gehört wohl dazu…wir bleiben eben Mensch und Pferd…zum Glück in einem immerwährenden Wandel…

 

P.S.: Auch die moderne Technik scheint eine Magie des Gestaltens entdeckt zu haben, haha. Die unterschiedlichen Schriften dieses Blogs wurden nicht von mir vorgegeben...aber so ohne Vorbehalt angeschaut, ergeben sie auch einen Sinn...meistens.