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Die Skala der Verbundenheit…unsere wunderbare Tanz-Reise

Meine Entscheidung, den freien Dialog in Bewegung mit Stradivari zu suchen, öffnete eine Tür der feinen und sehr persönlichen Verständigung. „Arbeit“ im eigentlichen Sinne gibt es für uns nicht mehr….aber durchaus einen deutlichen Fokus auf gesunde, schöne Bewegungen und seinen Weg, diese für sich zu nutzen.

 

Hier noch einmal die 6 Punkte…in Anlehnung an die Skala der Ausbildung…nur mit einer ganz anderen Orientierung auf den Moment und die Beziehung zueinander:

 

 

 

1. Genuss

 

Das Pferd genießen, den Blick für all die kleinen Zeichen schulen, die es uns sendet. Mich selbst als Freund zumuten. Das eigene Glück, einem Pferd nah sein zu können, begreifen. Bedingungsloser Blick auf alles Positive.

 

2. Spielen

 

Die Verständigung ohne Worte erspielen – fragen und die Antworten begrüßen. Die eigenen Fragen immer weiter verfeinern – dem Herzen folgen und einfach sein.

 

3. Anlehnung

 

Bewegungsideen vermitteln und austauschen, warten und schauen, Entwicklung geschehen lassen. Stolz und Schönheit gemeinsam feiern.

 

4. Schwung

 

Energien in allen Facetten erkunden, fließende Übergänge davon gemeinsam lernen. Eine „gemeinsam goldene Blase“ erfühlen und behüten. Den gemeinsamen Glanz erleben.

 

5. Tanzen

 

Die gemeinsame innere Mitte teilen. Energie fließen,  Schönheit und Haltung erstrahlen lassen. Frei und im tiefsten Herzensvertrauen gemeinsam im Jetzt den Tanz des Lebens genießen.

 

6. Liebe

 

Die innere und äußere Balance zum Himmeln führen…federleicht, absichtslos und voller Hingabe.

 

Ins Glück tanzen.

 

 

 

Bis vor kurzem war ich mit Stradi(vari) überwiegend frei dabei, uns eine Sprache zu erfinden, die uns leicht und frei fühlen lässt.

 

Dabei waren von den Voraussetzungen folgende Themen, die uns begegneten und nach einer Lösung/Entspannung suchten:

 

-          Seine Peitschenangst

 

-          Seine Sorge bei Mensch frontal vor ihm

 

-          Seine stark gewerkschaftliche Bewegungsfreude

 

-          Seine sehr feine Antenne, rangniedrig sich unterzuordnen und klein zu halten

 

-          Seine körperliche Schiefe und leichte Balanceunsicherheiten

 

-          Seine hohe Sensibilität auf der re Hand mir gegenüber

 

Bei mir ging es vor allem darum:

 

-          Ihm Zeit und Raum für seine Antworten zu gewähren

 

-          Spontan und kreativ auf seine Ideen einzugehen

 

-          Meine mentalen Hilfen zu erproben und verfeinern

 

-          Interesse und Freude immer im Fokus zu behalten

 

-          Vom Wollen immer mehr zum Tanzen zu finden

 

-                                                                                                                                                                                                                          -             Seine Ängste nicht zu meinen werden zu lassen

 

 

 

Im Unterschied zur pädagogisch/biomechanisch orientierten Umgangsweise brachten und bringen wir beide IMMER diese Besonderheiten mit, wenn wir uns begegnen…und versuchen sie in unseren Tanz einzuweben, ohne uns planvoll und strukturiert auf ein Thema zu fokussieren.

 

Was seine Peitschenangst betrifft, habe ich immer wieder bewusst mit verschiedenen Dingen in meiner Hand experimentiert…am allerliebsten sind wir inzwischen mit einem immer kleiner werdenden Seidentuch unterwegs. Allerdings inzwischen auch mit verschiedenen längeren Gerten und Peitschen, die er immer erst kennenlernen muss, bis sie ihm vertraut sind. Alles, was ich in der Hand halte, wird zum verlängerten Finger oder Arm, viele Zärtlichkeiten tauschen wir darüber aus.

 

Das sind die wichtigsten „äußerlichen Entwicklungen“, die immer weiter in die Verfeinerung wachsen…viel wichtiger, allerdings nicht leichter darzustellen, ist das, was IN UNS diese wunderbare Reise ausmacht. Also das, was uns im Sein, im Fühlen und der gesamten Persönlichkeit wachsen und aufblühen lässt.

 

Unser aller Pferde sind Königspferde – sie werden das, was wir in ihnen sehen.

Dieses tiefe Wissen ist in mir gewachsen, daraus entstand auch die Skala der Verbundenheit.

 

           Genuss:

 

Im alltäglichen Umgang heißt das immer für mich, dass die Freude und das Staunen über meine Pferde jede Begegnung begleitet.

 

Dieses Feiern seiner Schönheit, seiner immer stärkeren Tragkraft und Leichtigkeit in der Bewegung beflügelt uns beide immer wieder aufs Neue.

 

Seine etwas ängstliche und schüchterne Haltung zu Beginn hat sich in meienr Wahrnehmung längst zu einem unglaublich liebevollen Charme verwandelt, den ich begrüße und sehr zu schätzen weiß. Seine Angst darf er zeigen ( er kann ja wegspringen und sich anderweitig äußern), aber auch da habe ich gelernt, mich selbst damit nicht mehr zu identifizieren und alles, was er an Mut und Stolz zeigt, einfach zu feiern. Angst zeigt er auch draußen kaum noch, seit ich vor allem an mir selbst noch einige Schatten zulassen und loslassen konnte. Ich muss ganz oft einfach bestaunen, wie groß und kraftvoll er geworden ist und das tägliche Filmen macht das auch sehr bewusst.

 

       Spielen:

 

Diese Lust auf freies Spiel ist immer mehr zu dem Teppich geworden, auf dem wir uns bewegen. Das ist gerade auch für mich der Bereich, wo mein inneres Kind voll zum Zuge kommt und Stradi immer wieder leicht irre Bewegungsmuster an mir erlebt und beantwortet. Bewusst fokussiere ich mich zu Beginn auf mich, fühle in mich hinein, wonach mir gerade ist…und tanze das dann irgendwie. Zum Glück sind wir hier allein, hihi. Das ist die Zeit der wirklich absichtslosen Kommunikation, die schon wunderbare „Lieblingsspiele“ hervorbrachte – z.B. sein „Hoch“, oder unsere extrem schneidigen Handwechsel, wo sich die Schultern um ein Haar berühren. Das prickelt, bringt unglaublich viel Freude und Spaß.

 

Immer, wenn ich merke, dass ich plane und in Lektionen denke, die mir schwer erscheinen, lass ich alles fallen und wir spielen, yeah.

 

        Anlehnung:

 

Das ist ein sehr spannendes Feld…Magie liegt für mich immer noch in der mentalen Anlehnung…das Spiel des Denkens an Übergänge, aktivere Hinterhand oder auch Richtungswechsel…unglaublich faszinierend. Das klappt meistens, mit unterschiedlich feiner Ausführung…und macht uns beide sehr stolz. Dann gibt es aber auch noch die Anlehnung an die Zeichen, die Gerte oder das Tuch. Da merke ich, dass ich immer wieder schauen muss, ob nicht viel weniger Geste oder Energie auch reichen würde? Vom Typ her bin ich schon eher der energetische Beweger, Stradis sehr effektiver  Krafteinsatz hat mich da schon oft eher im feurigen Tanz verweilen lassen. Das hat ihn sehr inspiriert…aber momentan merke ich auch, dass sich da etwas verändert. Ich lerne, auch sehr weiche, zarte Impulse hoch energetisch mit ihm zu teilen, dieser Bereich der sehr feinen Dehnung in hoher mentaler Aktivität fasziniert uns gerade sehr.

 

 

 

      Schwung:

 

Was ich in der Anlehnung schon andeutet, wird hier für uns gerade richtig spannend. Wir gehen seit einiger Zeit noch einmal in die Bodenschule der akademischen Reitkunst. Und das bereichert unseren Tanz enorm. Mein Wissen über Bewegung und klare Zeichensprache wird sehr detailliert erweitert und Stradi profitiert davon ungemein – obwohl wir da noch sehr in den Anfängen sind.

 

Was für unser Zusammensein dabei die größte goldene Bereicherung ist: Wir lernen eine abrufbare Sprache in feinsten Zeichen (wenn ich das dann mal alles beherrsche, hihi) und so können wir ins Schwingen kommen…auch ganz leise und fein – auch sehr kontrolliert und trotzdem voller Stolz und mit hoher Energie.

 

Dieses Lernen weben wir ein in unsere goldene Blase…und es ist jetzt schon zu spüren, dass seine Balance noch freier und seine Bewegungen noch federnder und leichter werden. Der Schwung dehnt sich also aus…in alle Richtungen. Und damit wird die Grundenergie feiner und sanfter….himmlisch.

 

      Tanzen:

 

Diese Spiel aus Führen und geführt werden hat für uns immer noch eine große Magie. Hier spiegelt sich Beziehung am deutlichsten im Miteinander und zeigt sich das Innere im Außen. Zu Beginn habe ich mich vor allem sehr um eine Führung für Stradi bemüht, die ihm angenehm ist und ihm gute Gefühle ermöglicht – körperlich und mental. Seinem Typ entsprechend ging es lange darum, dass er seine Schüchternheit etwas überwindet und es genießt, sich zu zeigen und groß zu werden. Ich liebe seine sehr höfliche und charmante Art immer noch sehr. Und sie wird immer seinen Kern ausmachen. Aber ich habe mich riesig gefreut, als er anfing, auch mal etwas frecher zu werden…und vor allem auch Gebrauch davon machte, unsere goldene Blase zu verlassen und sich eine Pause zu nehmen. Diese Art, plötzlich ins Halt zu schieben, machte mich manchmal schon etwas beleidigt…wenn ich aber auf die Uhr schaute, hatte er Recht. Dieses extrem verbundene Tanzen fordert uns beide auf allen Ebenen – und länger als 25 Minuten geht das selten.

 

In letzter Zeit merke ich noch etwas, das mich sehr fasziniert. Manchmal verändert sich Stradis Blick mir gegenüber… ich empfinde es als einen Hauch Arroganz. So als Ausdruck eines kleinen Imponierens, mit dem er auf mich herabschaut…nicht dominant oder so…aber doch deutlich im Chacka-Modus. Und ich begrüße das sehr.

 

Für mich bedeutet es, dass er als Tanzpartner selbstbewusster und selbstständiger wird. Er weiß, wer er ist und zeigt das auch. Und ich genieße es, mich zurückzunehmen und ihm seine Bühne ganz zu überlassen.

 

  

         Liebe:

 

Dieser Punkt ist für mich immer noch eher unbeschreiblich. Es sind diese Sekunden des vollen Gleichklangs, egal wann wie und wo. Und sie werden immer häufiger und beflügeln uns immer wieder, diesen Weg des Tanzes der Verbundenheit weiterzugehen.