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Magie der Begegnung - wie eine Ikone entsteht

 

 

 

 


 

 

 

Wenn ich das Foto zum ersten Mal sehe, ist das wie ein Entdecken, Erspüren eines Pferdes, das mir in die Augen schaut. Oft gibt es hier schon ein wichtiges Gefühl, das mich besonders berührt. Das hat meistens noch keine Worte, ist sehr flüchtig, aber doch prägend für den Fortgang dieses Bildes. Oft gibt es auch schon eine Farbe, die sich „meldet“, ohne dass ich weiß, was das wohl zu „bedeuten“ hätte. Ich taste mich zu den Konturen vor, fühle die Haltung und Grundstimmung meines Gegenübers.

 

 

 


 

Danach folgt ein Schritt höchster Aufmerksamkeit: Das Auge/die Augen erhalten ihre Farbe, ihren Blick. Nun „lebt“ mein Gegenüber und ich bin nicht mehr „allein“. Vorsichtig und immer wieder nachfühlend taste ich mich aquarellierend an die Formen heran – an den Verlauf der Muskeln und den Ausdruck der Haltung. Wie ein ganz vorsichtiges Abstreichen – manchmal bekomme ich da so Einiges „erzählt“ – weniger in Worten, aber ich fühle oft einen besonderen Stolz, eine Welle der Zuneigung, ein Aufblitzen eines Schalkes.

 

 

 


 

All das, was ich bis dahin erlebt habe mit meinem Gegenüber, lässt die Ornamente entstehen. Zunächst noch im Zwischenreich – das Bild muss trocknen und ich brauche Abstand. Ich fühle mich „begleitet“ auf eine magische Art. Das Verzieren schließlich ist für mich ein „heiliger Akt“…empfinde es oft ähnlich wie ein Tätowieren. Es braucht etwas Mut – und es braucht Loslassen. Im Kopf zu planen geht nicht. Im Grunde ist es wie eine tiefe Meditation über das Wesen dieses besonderen Pferdes, was mir begegnet. Ich hebe hervor, was es für mich „ausdrückt“, was sein Wesen ausmacht und seinen goldenen Zauber. Wenn ich den Mut gefunden habe, jegliches „Denken“ auszuschalten und einfach den Linien zu folgen, die sein wollen – erfüllt diese Phase des Malens sehr…und ich entdecke im Prozess der Ornamente immer mehr Details und Botschaften. Wichtig ist hier auch, immer wieder Abstand zu nehmen und auch zu fühlen, wann es genug ist. Es soll Wesenszüge unterstreichen und hervorheben, aber nichts überdecken oder verfälschen. Danach muss das Bild wieder trocknen – eine längere Phase der „Ablösung“ beginnt.

 

 

 


 

Schließlich kommt der Tag des Vergoldens. All das, was ich mit diesem Pferd sehen und erleben durfte, erhält seinen „Rahmen“, seine Würdigung und das Pferd bekommt einen Hintergrund, vor dem es sich „abheben“ kann. Das Licht kommt hinzu und spielt mit den verschiedenen Nuancen seiner Erscheinung. Dieser Prozess ist unser Finish, unser Abschied aus der Zwischenwelt.

 

Oft muss ich das Bild dann noch einige Tage liegen lassen, bis ich die Ränder dann noch lackiere und es auf die Post bringen kann…ein Loslösen in Freude und tiefer Dankbarkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kerstin (Samstag, 09 November 2019 19:48)

    Danke liebe Lydia .
    Das Bild ist sensationell und wirkt aus jedem Winkel und durch unterschiedlicher Lichteinwirkung immer anders. Es ist wirklich wunderschön. Du hast ihr Wesen wunderbar ins Bild gebracht. Lieben Dank dafür !

    Kerstin mit Medusa